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Rückblick auf vier Tage in Dresden (29. November bis 3. Dezember 2007)

 

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Donnerstag 29. November: Herr Hoch, unser Dresden-Experte, empfing uns schon auf dem Perron von Dresden-Neustadt und begleitete uns von da an treu. Wir stiegen in den Bus, der uns über die Augustusbrücke führte, wo wir zum ersten Mal die klassische Silhouette der Stadt mit der Kuppel der Frauenkirche vor einem dramatischen Himmel erleben durften. Ein gemütliches Zmorge im „Brühlschen Garten“ neben der Synagoge der Architekten Wandel, Hoefer und Lorch (die auffällig dem Stellwerk von Herzog&de Meuron in Basel von 1994 gleicht!) stärkte uns für den Spaziergang im Morgenwind entlang der Elbe und zur Frauenkirche des George Bähr (1666-1738). Die Frauenkirche, zerstört mit der Altstadt Dresdens am 13. Februar 1945, wurde in 10-jähriger Arbeit mit internationaler Unterstützung wieder aufgebaut und 2004 vollendet; auch ihre Umgebung erhält sukzessive ihre historischen Umrisse zurück. 

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Neben dem Residenzschloss aus der Renaissance bewunderten wir die barocke Hofkirche (1739-1754) mit ihrem filigranen Turm, die wie ein katholischer Überseedampfer in dieser protestantischen Stadt angelegt hatte, ein Bau des Italieners Gaetano Chiaveri. Die polnische Königskrone war dem Wettiner Kurfürsten August dem Starken (1694-1733) mehr als eine Messe wert gewesen! 

Zu seiner und des Hofes Unterhaltung hatte er ausserdem von Matthäus Daniel Pöppelmann (1662-1736) ab 1709 den Zwinger anlegen lassen, beschwingte Festarchitektur und Gesamtkunstwerk, in Kooperation mit dem Bildhauer Balthasar Permoser (1651-1732).

Die Sempergalerie gewährte uns Frierenden kurz Obdach, und dann brachte uns der Bus durch herrliche Villen- und Gründerzeitviertel (mit den „Dresdner Kaffeemühlen“) zum Panometer. Allein schon der Ort war ein besonderes Faszinosum: zwei alte Gasometer 1908 vom Stadtbaumeister Hans Erlwein konstruiert, wahrhafte Industriedenkmale, von welchen der kleinere jetzt als Raum für ein projiziertes Panorama Dresdens von 1756 genutzt wird – ein überwältigendes Werk des persischen Künstlers Yadegar Asisi, das uns suggestive Einblicke in Dresdens Vergangenheit gewährte. Danach kamen wir in der „Villa Marie“ zu einem wohlverdienten Mittagessen am Blauen Wunder und kosteten zum ersten Mal sächsischen Wein.

Im sympathischen Hotel „Am Blauen Wunder“ genossen wir unsere Mittagsruhe – bis es wieder zurück zur Stadt in das Wunderland des Grünen Gewölbes ging mit einer kenntnisreichen Führung eines Kulturwissenschaftlers. Kaum zu fassen die Pracht dieser Wunderkammer der Wettiner. Wahrlich, viele Wunder an einem Tag! Nachher beschloss ein ebenfalls wohlschmeckendes Mahl bei den „Alten Meistern“ den Tag.

Freitag, 30. November: Heute stand das Neue Dresden im Vordergrund unserer Erkundungen. Wir begannen mit dem expressiven Krematorium des Friedhofs in Blasewitz. Dann ging’s nach Hellerau, der Reformsiedlung und Gartenstadt aus der vorletzten Jahrhundertwende mit den Deutschen Werkstätten von Karl Schmidt. Wichtige Architekten haben dort gewirkt – Riemerschmidt, Muthesius, Tessenow. Es ist ihnen gelungen, eine Siedlung zu schaffen, die wie organisch gewachsen erscheint. Bis zum 1. Weltkrieg traf sich dort die internationale Kunstszene, u.a. der Genfer Komponist Jaques-Dalcroze und die Protagonistinnen des Ausdruckstanzes Gret Palucca und Mary Wigman.

Vorbei an der märchenhaften „Tabak-Moschee“ (politisch unkorrekt!) eines Zigarettenproduzenten und am World-Trade-Center ging’s zum Hauptbahnhof, der durch Sir Norman Foster sehr einfühlsam renoviert worden ist. Die DDR-Vorzeigearchitektur der Pragerstrasse mit Wohnbauten, Hotels und Rundkino illustrierte diesen Abschnitt der Geschichte. Nach einem Blick in „Pfunds Molkerei“ – der ganze Milchladen ausgekleidet mit den Kacheln von Villeroy & Boch - schloss die Tour ab, und wir schnupperten im alternativen Restaurant Raskolnikoff in der Neustadt die Luft der jungen Dresdner Kulturszene.

Das Konzert am Abend im Kulturhaus Loschwitz beim „Blauen Wunder“ mit zwei schönen jungen Musikerinnen und einer Märchenerzählerin bildete den krönenden Abschluss eines abwechslungsreichen Tages.

Samstag, 1. Dezember: Heute fuhr uns der Bus elbabwärts nach dem mittelalterlichen Meissen, der Wiege Sachsens, mit seinem eindrücklichen Burgberg, auf welchem sich Fürstensitz, Bischofskirche und Bischofspalatium hoch über der Elbe zusammendrängen. Der Dom erwies sich als Exemplum und Schatzkammer gotischer Architektur, erweitert durch eine Grablege der wettinischen Fürsten und einen idyllischen kleinen Kreuzgang. Die wettinische Albrechtsburg, einer der wenigen erhaltenen spätgotischen Herrschersitze, mit ihrer originellen Ausformung des Treppenhauses („Der grosse Wendelsteig“), der Gewölbe und der Fenster, dazu die Ausgestaltung des 19. Jahrhunderts, wirkte wie aus einem romantischen Märchen. Ähnlich dann die kleinen Altstadtgassen, die mit reizvollen Geschäften voller Meissner Porzellan lockten – und dann das Gasthaus von Vinzenz Richter, wo wir aufs Beste verköstigt wurden und auch Gelegenheit fanden, unsere Kenntnisse der sächsischen Weine zu vertiefen.

Nachher besuchten wir den Weihnachts- und Kunsthandwerkermarkt auf dem barocken Weinschloss Proschwitz inmitten eines englischen Gartens, dessen Atmosphäre sehr berührend war. Der Abend bot dann Gelegenheit zu eigenen Unternehmungen.

Sonntag, 2. Dezember: Alles packen und zum letzten Mal mit der 12 in die Stadt fahren. Wir erlebten vor ausgewählten Meisterwerken wie dem kleinen Triptychon von Jan van Eyck, der Briefleserin von Jan Vermeer, der Venus von Tizian oder der Sixtinischen Madonna die Reichhaltigkeit der ehemals fürstlichen Gemäldesammlung in der Sempergalerie. In der Mittagspause versanken wir genüsslich in den luxuriösen Polstern des Cafés des Taschenbergpalais. Dann erwartete uns die Frauenkirche mit einer barocken Vespermusik, die sich hervorragend mit ihrem reichgestaltigen Interieur verband. Besonders die Bach’schen Kantatenklänge liessen einen beinahe die Gegenwart vergessen.

Dabei folgte noch eine Steigerung: In der Gründerzeitvilla „Rosenhof“ am Elbhang empfing uns Frau Hoch in ihrer zum 1. Advent festlich geschmückten guten Stube. Wir durften uns an liebevoll mit Meissner Porzellan gedeckte Zvieritische mit selbstgebackenem Kuchen und Stollen niederlassen. Im Gespräch mit der lebensklugen Pfarrersfrau bekamen wir eine Ahnung von den Umständen, unter welchen man sich je nachdem in den Jahren der DDR zurecht finden musste. Ausserdem entwickelte der Soziologe Bert Rehberg Gedanken darüber, wie es zum Mythos von Dresden als „Elbflorenz“ kam – die Stadt wurde nämlich nicht etwa wegen ihrer Lage an der Elbe oder wegen der vielen Italienbezüge und - kontakte sondern in erster Linie wegen ihrer reichhaltigen Antiken- und Abgusssammlung zum Mekka der Kunstfreunde.

Als die bestellten Taxis uns nicht abholen wollten, gelangten wir dank dem spontanen Einsatz verschiedener Privatautos trotzdem noch rechtzeitig zu unserem Abschlussessen im Koe5, einem Restaurant an der barocken Königsstrasse in der Neustadt.

Dann galt es schon Abschied zu nehmen von lieb gewordenen Bekannten, denn ein Teil der Gruppe blieb noch in Dresden. Die anderen machten sich auf den Weg zum Bahnhof Neustadt, wo uns unser lieber Albrecht Hoch überraschte, um sich von uns zu verabschieden. Noch eine ganze Weile blieben wir zusammen und liessen manch schönen Eindruck Revue passieren, beglückt von den Erlebnissen und Begegnungen, die uns zuteil geworden waren.  

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Rose Schulz-Rehberg, 4054 Basel, Grimselstrasse 4, Tel. 0613015618, rose.schulz@kulturtour.ch