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Rückblick auf vier Tage in Dresden  (20.-25. August 2008)

 

Donnerstag 21. August: Herr Hoch, unser Dresden-Experte, empfing uns schon im Hauptbahnhof von Dresden, den Norman Foster so genial modernisiert hat, und be­gleitete uns von da an treu. Auf der Fahrt über die Marien- und Augustusbrücken erlebten wir zum ersten Mal die klassische Silhouette der Stadt, den Canalettoblick, mit den Elbwiesen, dahinter die Hofkirche und Kuppel der Frauenkirche plus „Zitronenpresse“. Ein gemütliches Zmorge im „Brühlschen Garten“ neben der Synagoge der Architekten Wandel/ Hoefer /Lorch (die auffällig dem Stellwerk von Herzog&de Meuron in Basel von 1994 gleicht!) stärkte uns für den Spaziergang durch das alte Zentrum.

Die Frauenkirche des George Bähr (1666-1738), zerstört mit der Altstadt Dresdens am 13. Februar 1945, wurde in 10-jähriger Arbeit mit internationaler Unterstützung wieder aufgebaut und 2004 vollendet; auch ihre Umgebung, der Neumarkt, erhält nun suk­zes­sive seine historischen Umrisse zurück. Wir spazierten am Fürstenzug aus unzähligen Meis­sener Porzellankacheln vorbei, woran ein Vorfahre unseres guten Herrn Hoch ebenfalls teil­nimmt. – Neben dem Residenzschloss aus der Renaissance bewunderten wir dann die barocke Hofkirche (1739-1754), einen Bau des Italieners Gaetano Chiaveri, mit ih­rem filigranen Turm, die wie ein katholischer Überseedampfer in dieser protestantischen Stadt angelegt hat. Die polnische Königskrone war dem ursprünglich protestantischen Wet­tiner Kurfürsten August dem Starken (1694-1733) mehr als eine Messe wert gewesen! Zu seiner und des Hofes Unterhaltung hatte er ausserdem von Matthäus Daniel Pöppelmann (1662-1736) in Zusammenarbeit mit dem Bildhauer Balthasar Permoser (1651-1732) ab 1709 den Zwinger anlegen lassen: beschwingte Festarchitektur und Gesamtkunstwerk.

Durch herrliche Villen- und Gründerzeitviertel (mit den „Dresdner Kaffeemühlen“) brachte uns der Bus zum Panometer. Allein schon der Ort ist ein besonderes Faszinosum: zwei alte Gasometer, 1908 vom Stadtbaumeister Hans Erlwein konstruiert, wahrhafte Industriedenkmale, von welchen der kleinere jetzt als Raum für ein projiziertes Panorama Dresdens genutzt wird – ein überwältigendes Werk des persischen Künstlers Yadegar Asisi, das uns suggestive Einblicke in Dresdens Vergangenheit im Jahre 1756 gewährte. Danach kamen wir im „Schillergarten“ zu unserem Mittagessen mit Blick über die Elbe und auf das „Blaue Wunder“ und kosteten erstmals sächsischen Wein.

In unserem sympathischen Hotel „Am Blauen Wunder“ genossen wir unsere Mittagsruhe – bis es per Tram Nummer 12 wieder zurück zur Stadt in das Historische Grüne Gewölbe ging. Kaum zu fassen die Pracht dieser Wunderkammer der Wettiner. Wahrlich, viele Wunder an einem Tag! Nachher beschloss ein wohlschmeckendes Mahl bei den „Alten Meistern“ den Tag.

Freitag, 22. August: Bei Ferienwetter machten wir uns auf in die Sächsische Schweiz. Angekommen bei der „Bastei“ führte uns Albrecht Hoch auf geheimen Waldpfaden zu einem umwerfenden Aussichtspunkt in dieser idyllisch-bizarren Felslandschaft aus Sandsteinfelsen und Tafelbergen. Tief unter uns zog sich das silberne Band der Elbe dahin. Die Schweizer Maler Zingg und Graff waren unter den Ersten, die der Romantik dieser Landschaft erlagen. – Weiter ging’s nach dem Sommerschloss Augusts des Starken, Pillnitz, mit seinem herrlichen Park, dem Fliederhof, den bunten Chinoiserien, dem Gondelhafen, nicht zu vergessen die über 200 Jahre alte Kamelie. Der Zauber der ganzen Anlage war unbeschreiblich. Die Schlossschänke bot eine stilvolle Stärkung an. – Auf einem voll besetzten Raddampfer gelangten wir nach Blasewitz und von dort in die Villa Rosenhof am rechten Elbhang zum blumengeschmückten Wohnzimmer von Frau Hoch, die uns mit einer liebevoll mit Meissner Porzellan vorbereiteten Kaffeetafel und köstlichem selbstgebackenem Kuchen verwöhnte. Im Gespräch mit der lebensklugen Pfarrersfrau bekamen wir bewegende Einblicke in die Umstände, unter welchen man sich je nachdem in den Jahren der DDR zurecht finden musste.

Beim Sauerbraten im gemütlichen „Körnergarten“ brachen die übermütigen Jägermeister über uns herein, und wir hatten viel zu lachen. Als krönender Abschluss eines be­glük­ken­den Tages erfreuten uns danach zwei schöne junge Frauen im Kulturhaus Loschwitz mit einer musikalisch-literarischen Darbietung zur Familie Wieck.

Samstag, 23. August: Dem Renaissance-Jagdschloss Moritzburg, das August der Starke von 1722-27 durch Pöppelmann modernisieren liess, näherten wir uns bei grosser Windstärke auf einem Spaziergang dem Wasser entlang. Hierhin hatte es zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch die jungen Brücke-Künstler gezogen, wo sie ihre Modelle open-air und textilfrei malten.

Weiter ging’s nach dem mittelalterlichen Meissen, der Wiege Sachsens, mit seinem eindrücklichen Burgberg, der „sächsischen Akropolis“, auf welchem sich Fürstensitz, Bischofskirche, Bischofspalatium und Domherrenhäuser hoch über der Elbe zusammendrängen. Das Ensemble wirkte wie aus einem romantischen Märchen, ebenso die kleinen Altstadtgassen, die mit reizvollen Geschäften voller Meissner Porzellan lockten – und dann das Gasthaus von Vinzenz Richter, wo wir aufs Beste verköstigt wurden.

Nachher besuchten wir die Porzellanmanufaktur, wo uns vordemonstriert wurde, mit welcher Sorgfalt und Können das kostbare Meissner Porzellan gefertigt wird.

Sonntag, 24. August: Alles packen und zum letzten Mal mit der 12 in die Stadt fahren, heute bei Regen. Wir erlebten vor ausgewählten Meisterwerken wie dem kleinen Triptychon von Jan van Eyck, Portraits von Cranach, Dürer und Holbein, der Briefleserin von Jan Vermeer, Landschaften von Claude Lorrain oder der Sixtinischen Madonna von Raphael die Reichhaltigkeit der ehemals fürstlichen Gemäldesammlung in der Sempergalerie. In der Mittagspause versanken manche genüsslich in den luxuriösen Pol­stern des Cafés im Taschenbergpalais. Dann erwartete uns die Frauenkirche mit einer barocken Vespermusik, die sich hervorragend mit ihrem reichgestaltigen Interieur verband. Besonders die Bach’schen Kantatenklänge liessen einen beinahe die Gegenwart vergessen. Ein Film im Stadtmuseum illustrierte eindrücklich das internationale Zusammenwirken beim Wiederaufbau dieses einmaligen Architekturdenkmals.

Darauf folgte – unter einem wieder aufgehellten Himmel – die Fahrt nach Radebeul zum Weinschloss Wackerbarth, dem Alterssitz eines Ministers Augusts des Starken von 1730. Dank der Weinführung wissen wir nun Etliches mehr über Anbau, Ernte und Erzeugung von Wein – oder waren die grosszügig eingeschenkten Weinproben vielleicht dem Erinnerungsvermögen doch etwas abträglich? Wir erhielten danach einen stärkenden Imbiss und rollten darauf gemütlich und zufrieden elbaufwärts durch die schönen Gründerzeitstrassen dem Bahnhof Dresden-Neustadt zu.

Und schon galt es Abschied zu nehmen von lieb gewordenen Bekannten, denn ein Teil der Gruppe blieb noch in Dresden. Die anderen verabschiedeten sich nach einer gut verbrachten Nacht im Schlafwagen am Montagmorgen in Basel voneinander mit vielen frohen Erinnerungen und berührenden Eindrücken von einer zauberhaften Stadt mit liebenswerten Bewohnern im Gepäck.

Rose Schulz-Rehberg, 4054 Basel, Grimselstrasse 4, Tel. 0041613015618  rose.schulz@kulturtour.ch